Isaac Adodoadji ist verantwortlich für eine der entscheidendsten Aufgaben in unserem Produktions- und Einkaufsprozess: Er achtet darauf, dass ein teilweise jahrhundertealtes Wissen unserer Bauern bewahrt, weitergegeben, aber auch aktualisiert und verbessert wird.
Zudem implementiert er vor Ort die notwendigen Qualitätsprozesse und fördert nachhaltige Anbaumethoden. Isaac stammt aus Ghana. Er hat sich auf alle Formen ökologischer Landwirtschaft spezialisiert, wobei die Verarbeitung der Ernten und vor allem die Vermeidung von Ernteverlusten sein zentrales Anliegen sind.
Er schreibt derzeit seine Dissertation über Innovationen in der biologischen und biodynamischen Landwirtschaft und deren Einfluss auf die Lebensbedingungen von Kleinbauern in Indien (Kerala) und Tansania (Sansibar).
Isaac kam 2011 nach Deutschland und wurde 2015 Mitarbeiter des Ecoland Teams. Seither besucht er unsere Produktionsgruppen mindestens zweimal pro Jahr. Wir wollten von ihm hören, wie seine Arbeit vor Ort aussieht.
Kannst Du uns erklären, wie Du die Bauern unterstützt?

Ich entwickle Methoden und Verfahren, um die hohen Verluste nach der Ernte von Kräutern und Gewürzen zu reduzieren. Kleinbauern verlieren oft bis zu 20% ihrer Ernte wegen schlechter Ernteverfahren oder falschen Lagerungs- und Trocknungsmethoden.
Dann versuche ich, die Qualität der Gewürze durch bessere landwirtschaftliche Anbaupraktiken zu verbessern.
Seit letztem Jahr haben wir damit begonnen, unsere Landwirte in biodynamische Anbaumethoden einzuführen (gemäß dem Demeter-Standard). Interessanterweise ergeben sich dabei zahlreiche Verbindungen zum indigenen Wissen der Bauern: Biodynamische Landwirtschaft ist eng verwandt mit ursprünglichen Formen, Pflanzen anzubauen.
Ich bestehe auf der Verwendung von natürlichen Düngern und Komposten und schließe den Einsatz von Chemikalien konsequent aus. Zum Beispiel werden die Pflanzen im Einklang mit dem Mondkalender geerntet (weil dann die Früchte bzw. Gewürze am meisten Saft haben und deshalb von besserer Qualität sind).
Die biodynamische Landwirtschaft versteht Tiere, Pflanzungen und Böden als ein einziges großes Ökosystem. Sie geht von einem ganzheitlichen Ansatz aus und fördert lokale Produktions- und Vertriebssysteme sowie die Verwendung von traditionellen (und die Entwicklung von neuen) Sorten.
Ich gestalte Demonstrationsfelder und Experimentieräcker und bilde die Kleinbauern sowohl in biologischen als auch biodynamischen Anbaumethoden für Gewürze aus. Dabei lehre ich die Bauern, ihre Anbaumethoden ständig zu verbessern und aus schlechten Erfahrungen zu lernen.
Das beginnt bereits mit einer klaren Dokumentation der landwirtschaftlichen Interventionen: Wann wird gesät? Wann wird der Kompost ausgebracht? Welche Sorten wurden gepflanzt und welche Mengen geerntet? So können alle voneinander lernen – und es wird möglich, eine noch transparentere Lieferkette zu etablieren.
Unsere Landwirte sind alle in Gruppen organisiert. In Indien gibt es beispielsweise etwa 50 bis 100 Landwirte pro Gruppe. Jede Gruppe hat einen Leiter, der für die Koordination und die Ausbildung der jeweiligen Gruppe verantwortlich ist.
Ich trainiere vor allem diese leitenden Landwirte, die dann ihr Wissen weitergeben und ihre Gruppe entsprechend ausbilden. Auf diese Weise haben wir bisher etwa 1500 Landwirte in zwei Gemeinden in Indien und in einer Gemeinde in Sansibar ausgebildet.
Was sind Deine größten Herausforderungen?
Die größte Schwierigkeit liegt in unserem zweistufigen Ausbildungssystem: Wie kann ich sicherstellen, dass das, was ich unterrichte, wirklich bei allen Landwirten ankommt – und zwar genauso, wie ich es erklärt habe?
Die andere Herausforderung besteht darin, die Landwirte überhaupt zusammenzubringen, um sie ausbilden zu können, denn sie sind mit der Pflege ihrer Felder sehr beschäftigt. Es ist also nicht leicht, Termine zu finden, an denen alle teilnehmen können.
Wir organisieren das heute immer außerhalb der Saat- und Erntezeiten, weil die Bauern dann etwas weniger beschäftigt sind.
Was gefällt Dir am meisten?
Es bedeutet für mich eine große Befriedigung, beobachten zu können, wie sich meine Arbeit direkt auf den Alltag der Bauern auswirkt und wie sich ihre Lebensbedingungen deutlich verbessern.
Ich teile mein Wissen sehr gerne und genieße die gemeinsame Zeit mit den Landwirten. Sie sind sehr gastfreundlich, und es entsteht ein wirklicher Austausch, bei dem ich ungefähr ähnlich viel von ihnen lerne wie sie von mir.
Was sind Deine Visionen für die Zukunft der Landwirtschaft?
Ich hoffe einfach, dass man endlich wieder die Bedeutung und den enormen Wert der landwirtschaftlichen Arbeit erkennt. Die Landwirtschaft sollte als einer der wichtigsten und wertvollsten Bereiche der Gesellschaft anerkannt werden – und die Bauern müssten in der Gesellschaft einen viel höheren Stellenwert bekommen.
Ich wünsche mir, dass die Regierungen sich für die Unabhängigkeit der Bauern einsetzen und sie vor dem Einfluss von Chemiekonzernen und internationalen Saatgut-Unternehmen schützen, indem sie den Anbau lokaler und traditioneller Sorten sowie biologische und biodynamische Anbaumethoden nachdrücklich fördern.
Das bedeutet allerdings auch, dass sich unser westliches Konsumverhalten grundsätzlich verändert: Wir müssen bereit sein, für unser Essen mehr Geld auszugeben, damit die Landwirte für ihre harte und anstrengende Arbeit fair bezahlt werden.